Mein Traum: Die Station Tutzing - aus LBF 2/2001

Seit dem Erscheinen des Bayern Reports 3 aus dem Hause Merker, steht für mich fest: diese Station will ich nachbauen. Zwar verbindet mich nichts mit diesem Ort an der Strecke München-Peissenberg, aber der Gleisplan hat es mir angetan. Nicht zu gross, aber auch nicht zu klein, bietet die Station genügend Raum für fröhliches Betriebmachen. Zwar gehöre ich nicht zu dem Kreis Modellbahner, die mittels Auftragskartchens etc. richtigen Vorbildbetrieb machen, aber ein bisschen hin und her fahren – ohne Unfalle möchte ich auch. Deshalb schwebt mir eine U-Anlage vor, die in Teilstücken (Modulen) aufgebaut ist. Ein Schenkel des U’s soll die Station darstellen, der zweite Schenkel ist dann Strecke, hierzu werden genormte Fremo-Module gebaut, damit dieser Teil einmal auf Ausstellungen gezeigt werden kann.

Die Vorbereitungen

Die Recherchen zum Vorbild begannen vor Ort. Auf einem meiner Bayernbesuche habe ich in Tutzing Station gemacht. Das Stationsgebäude ist eigentlich noch ganz gut erhalten und gibt einem einen guten Eindruck des ursprünglichen Gebäudes. Was für mich insofern eine Überraschung war, war die Lage des bahnhofs. Obwohl ich wusste, dass Tutzing am Ufer des alten Würmsee (heute Starnberger See) lag, hatte ich es mir doch ganz anders vorgestellt. Dies hatte vor Allem mit meiner Modellbahnerperspektive zu tun. Der Hintergrund sollte nie abfallen, aber wenn ich die Station aus dem Blickwinkel des Gleisplans aus oben genannten Heftes nachbauen wollte, dann wäre genau das geschehen. Mist, also wieder alles anders, oder? Naja, freelancing wird es schon geben. Schliesslich will ich ja gerne auch einen kleinen Lokschuppen (habe mir gerade ein tolles Modell unter den nagel gerissen, den Holzbausatz von Brawa/Micro) haben, und eine Drehscheibe soll auch her. Es gab zwar beim Vorbild eine kleine Wagendrehscheibe, aber die ist mir zu klein, ich will auch Loks drehen können (müssen ja keine S 3/6 sein).

Um mehr über meine Station zu erfahren habe ich mich mich an die Gemeinde Tutzing gewandt. Die dortige Archivarin war so freundlich um mir einiges an Material zu kommen zu lassen. Unter den Kopien war auch eine Diplomarbeit eines Schülers, der über den Verkehr auf der Station Tutzing geschrieben hat. Ganz schön aufschlussreich, auch wenn leider nahezu jegliches Bildmaterial fehlt.

Die Modellumsetzung

Dies ist zunächst ein extrem schöpferischer prozess, will sagen, dass seit dem ich meine Liebe für diese Station entdeckt habe, nur in meinem Kopf einiges passiert ist. Weder die Modulkästen stehen, noch eine Umsetzung des Gleisplans ins Modell. Hier ist auch Vorsicht geraten, denn welche Periode will ich nun genau nachbilden? Am liebsten so 1890 bis 1900, da fuhren meine Lieblingsloks bereits auf Bayerns Schienen (ob auf der Strecke Starnberg - Peissenberg sei dahin gestellt), aber von wann ist der Gleisplan im Bayern Report? Bei meinem Recherchen entdeckte ich einen weiteren Gleisplan. Schnell war ersichtlich dass er um einige Jahre jünger als der oben erwähnte Plan war.

Und dann der Gebäudebau? Bau unter Benutzung vorhandener Industriebausätze? Nichts passt und währe vorbildgerecht. Außerdem sind die Ansprüche gestiegen in den letzten Jahren. Feines Messing auf den Schienen und dann schnödes Plastik? Wie sagte schon Wolfgang Hug, der einstens den aufwendigen Umbau eines Fleischmann KPEV-Wagens mit einem superdetaillierten Messingfahrwerk so kommentierte: 100 Stunden gesupert und trotzdem ist es ein Plastikmodell mit Messingteilen?!

Alos echte Steinchen an ein ander mörteln? Naja, soweit wollen wir es auch nicht übertreiben. Dennoch, es gibt da schon ganz konkrete Ideen, und man muß nicht unbedingt ein Gipskopf sein um hinter das mögliche Geheimnis zu kommen, wie meine Gebäude entstehen sollen. Bei der Landschaftsgestaltung wird Silflor etc. helfen, das "Grünen" geht mir inzwischen ganz gut ab. Die Bäume wollen gebaut sein, auch gibt es da tolle Modellbäumchen von Modellbauern aus Westfalen (der Leser, der gemeint ist, wird jetzt wohl wissen wen ich meine), die als Vorbild dienen können.

Ja, und ist es dann volbracht, dann muss natürlich alles mit den entsprechenden Sicherheitsdetails wie Weichensignal, Perronsignal, etc ausgerüstet werden. Sieht dann toll aus, aber echt gefahren werde soll - DIGITAL. Zwar ist mein Wissen auf diesem gebiet ziemlich eingestaubt seit den zeiten, in denen ich in der Miba von meinen Herausforderungen mit dem amerikanischen Digitrax System berichten durfte, aber aufgebe gilt nicht. Dank sei Zimo ist es möglich um den Faulhabern exzellentes   Digital-Fahrvergnügen auf zu legen, ohne den scheusslichen Geräuschpegel.

  Aber jetzt Mal ganz konkret, wie gehe ich es an:

Das Gleismaterial

Lange habe ich hin und her überlegt, dann hat sich die ganze Sache ganz banal entschieden: ein günstiges Angebot an Peco-Finescale Weichen konnte ich nicht abschlagen und damit war die Wahl getroffen: Peco Finescale mit seinem Code 75 Schienenmaterial wird benutzt!. Zwar habe ich noch immer einiges an Spur Z Schienenprofil in der grossen Rolle liegen, aber bis das Profil in einer verarbeitbaren Form ist, wird wohl noch ein Weilchen dauern.

Dennoch habe ich mir fest vorgenommen um im vordersten Anlagenteil der Station das Spur Z profil auf selbstgebauten Schienen ein zu setzen. Das Löten von Weichen habe ich definitiv aufgegeben, nachdem ich bei Paul Hartman gesehen habe, wie wenig an einem Wochenende erreicht werden kann )schön fluchen kann der Paul auch ganz gut, wenn der Lötkolben mal zu nahe an den Finger kam, inzwischen sogar in Fränkisch, was für einen Kaskop eigentlich eine reife Leistung ist).